Die Teilnehmer der Meisterkurse der Raumausstatter-Meisterschule der Arbeitsgemeinschaft der südhessischen Raumausstatterinnungen (AGSR) in Darmstadt wedren im Rahmen der Meisterausbildung über neueste Entwicklungen bei Bodenbelagsklebstoffen unterrichtet.
„Durch Wissen Beanstandungen vermeiden führt zu zufriedenen Kunden,“ ermahnte Experte Alexander Tauchert, Raumausstattermeister und Expertenbeirat der AGSR, die Meisterschüler des Raumausstatter-Handwerks, in seinem Vortrag am 14. Januar 2006 in den Schulungsräumen in Darmstadt.
Blauer Engel eingeführt
EMICODE-System, welches Bodenbelagsklebstoffe in Emissionskassen unterteilt, nicht mehr letzter Stand der Technik. Einzig Bodenbelagsklebstoffe der Firma Wulff bieten derzeit den Blauen Engel.
In den letzten Jahren war immer wieder von der Belastung der Innenraumluft durch VOCs (flüchtige organische Substanz, wie z.B. Lösemittel) zu hören. Der Trend zu lösemittelarmen bzw. –freien Produkten steigt daher kontinuierlich. Nach „sehr emissionsarmen“ Bodenbelagsklebstoffen sind nun auch Produkte der Firma Wulff auf dem Markt, die mit dem „Blauen Engel“ ausgezeichnet sind.
Tauchert berichtete in seinem Vortrag zunächst über die Problematik in der praktischen Umsetzung der Umstellung von lösemittelbasierten Klebstoffen auf wässrige Systeme. Die- durch den verringerten Lösemittelgehalt – nicht nur besser für die Gesundheit des Verlegers, sondern insbesondere für die Gesundheit des Raumausstatter Kunden seien. Aber es gäbe auch Nachteile, denn der Verleger muss die geänderten Ablüftzeiten und Einlegezeiten in den Arbeitsablauf einkalkulieren. Auch die Klebkraft sei ein wichtiger Aspekt, erklärte Tauchert.
Die angehenden Raumausstattermeister/innen bekamen die TRGS 610 und Ihren Inhalt erläutert. Sowie die Entstehung der GEV und ihr EMICODE Produktkennzeichnugs-System.
Das Umweltbundesamt habe mit der Einführung des Blauen Engel für Bodenbelagsklebstoffe einen neuen hohen Standard für emissionsarme Klebstoffe geschaffen. Bei Klebstoffen mit dieser Auszeichung entstehen weniger Emission, geringere Geruchsbelästigung und mehr Rechtssicherheit für das Handwerk.
Taucher erklärte den Anwesenden die unterschiedlichen Vergabekriterien für den Blauen Engel und den EMICODE. Der Blaue Engel gewährleistet durch seine mehrfachen Messungen an verschiedenen Tagen über einen langen Zeitraum, dass insbesondere auch schwerflüchtige Stoffe bei der Prüfung und Beurteilung erfasst werden können.
Auch hinsichtlich der Grenzwerte sind Befürworter des Blauen Engels mit dem EMICODE unzufrieden. Ein Wert von 500um/m3, so Raumausstattermeister Tauchert, entspreche nicht dem Stand der Technik – dieser Wert könne problemlos um das Zehnfache unterboten werden. Zudem könnten bereits bei einem Wert von 300um/m3 erste Beschwerden auftreten. Bodenbelagsklebstoffe, die den Blauen Engel tragen, dürfen einen Wert von 100um/m3 nicht überschreiten. Des Weiteren dürfen „Blaue Engel“ – Klebstoffe keine geruchsintensiven Stoffe, wie z.B. oxidierbare Fettsäuren, enthalten.
Diese Stoffe können in den sogenannten „Weichharzen“, die die Klebstoff-Industrie im Zuge der Umstellung auf lösemittelfreie und emissionsarme Produkte häufig einsetzt, enthalten sein. Sie können in Räumen, insbesondere wenn sie schlecht gelüftet werden, zu lang anhaltender Geruchsbelästigung führen.
Tauchert ließ die Meisterschüler anhand von Proben der Klebstoff-Rohstoffe selbst deren Geruchsintensität erkennen.
Fazit
Neue technische Möglichkeitenund Materialien sollten schnellstens zum Nutzen der Handwerker und ihrer Kunden genutzt werden. Dies ist eines der » Leitziele der AGSR-Meisterschule! Dazu werden nach diesem Vortrag die angehenden Raumausstattermeister/innen - ihrerseits Multiplikatoren für Fachwissen - sicher beitragen.
Abschließend wies Experte Tauchert darauf hin, dass es bisher einzig der Firma » Wulff aus Lotte gelungen sei, die strengen Vergabekriterien des Umweltbundesamtes zu erfüllen und damit die Auszeichnung des Blauen Engels auf ihren Klebstoffen tragen zu dürfen. Dies sei möglich durch den Einsatz von synthetischen Harzen und einem speziellen Herstellungsverfahren, an dem die Firma Wulff seit langen Jahren und mit hohem Forschungsaufwand gearbeitet habe, berichtete Tauchert.